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Himmel
oder Hölle?
Wer
den anderen liebt, läßt ihn gelten, so wie er ist, wie er gewesen ist und wie er
seinwird. Michel
Quoist
Die
Ehe ist nun mal eine seriöse Schlacht. Nein, nein, eine Operation. Zwei
Chirurgen operieren einander andauernd. Ohne Narkose. Aber andauernd. Und
lernen immer besser, was weh tut. Martin
Walser
Das
ist die rechte Ehe, wo zweie sind gemeint, durch alles Glück und Wehe zu pilgern
treu vereint. Der eine Stab des andern und liebe Last zugleich-- gemeinsam Rast
und Wandern. Und Ziel das Himmelreich. Emmanuel
Geibel
Schenkst
du dich hin. Mit Haut und Haaren. Liebe treibt die Welt zu Paaren. Wirst
getrieben, mußt erfahren, daß es nicht die Liebe ist.
Bist sogar im Kuß alleine. Aus der Wanduhr tropft
die Zeit. Gehst ans Fenster. Starrst auf
Steine.
Brauchtest
Liebe. Findest keine. Träumst vom Glück. Und lebst
im Leid. Einsam bist du, sehr alleine. Und am
schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit. Erich
Kästner
Gottes
Wege wagen, nach der Liebe fragen und vertrauend sagen: Ja, ich will es
wagen Dieter
Stork
Die langen Löffel
Ein
Rabbi bat Gott einmal darum, den Himmel und die Hölle sehen zu dürfen. Gott
erlaubte es ihm und gab ihm den Propheten Elia als Führer mit. Elia führte den
Rabbi zuerst in einen großen Raum, in dessen Mitte auf einem Feuer ein Topf mit
einem köstlichen Gericht stand. Rundum saßen Leute mit langen Löffeln und
schöpften alle aus dem Topf. Aber die Leute sahen blaß mager und elend aus. Es
herrschte eisige Stille. Denn die Stiele ihrer Löffel waren so lang, daß sie das
herrliche Essen nicht in den Mund bringen konnten. Als die beiden
Besucher wieder draußen waren fragte der Rabbi den Propheten, welch ein
seltsamer Ort das gewesen sei. Es war die Hölle. Darauf führte
Elia den Rabbi in einen zweiten Raum, der genauso aussah wie der erste. In der
Mitte brannte ein Feuer und kochte ein köstliches Essen. Leute saßen herum mit
langen Löffeln in der Hand. Aber sie waren alle gut genährt, gesund und
glücklich. Sie unterhielten sich angeregt. Sie versuchten nicht, sich selbst zu
füttern, sondern benutzten die langen Löffel, um sich gegenseitig zu essen zu
geben. Dieser Raum war der Himmel.
"Durch
das Sakrament empfangen Mann und Frau die Kraft, als christliche Eheleute zu
leben ... sie werden hineingenommen in den größeren Bund Gottes mit den
Menschen. Gott schenkt den Bund in und durch Christus. Für gläubige Ehepartner
ist er wie eine Quelle, aus der sie Kraft für Liebe und Treue schöpfen. Hier
kann sich der an sich zerbrechliche Bund immer wieder erneuern. Hier leben Mann
und Frau nicht nur aus den Reserven ihrer eigenen Großmut, sondern aus der
unerschöpflichen Versöhnungskraft des Kreuzes." (Würzburger Synode, Beschluß Ehe
und Familie)
Wissen,
was fehlt
Rabbi
Mosche Löb erzählte: Wie man die Menschen lieben soll, habe ich von einem Bauern
gelernt. Der saß mit anderen Bauern in einer Schenke und trank. Lange schwieg er
wie die anderen alle; als aber sein Herz von Wein bewegt war, sprach er seinen
Nachbarn an: "Sag du, liebst du mich oder liebst du mich nicht?« Jener
antwortete: „Ich liebe dich sehr.“ Er aber sprach wieder: "Du sagst, ich liebe
dich, und weißt doch nicht, was mir fehlt. Liebtest du mich in Wahrheit, du
würdest es wissen."Der andere vermochte kein Wort zu erwidern, und
auch der Bauer, der gefragt hatte, schwieg wie vorher. Ich aber verstand: Das
ist die Liebe zu den Menschen, ihr Bedürfen zu spüren und ihr Leid zu tragen.
Martin
Buber
Blindenheilung
Vierzehn
Tage hatte es gedauert. Heute war der erste Tag, an dem er sich etwas besser
fühke. Er lag im Bett, schaute halb schläfrig aus dem Fenster, beobachtete für
eine Weile das Spiel von Sonne und Wind im frischen Grün der Bäume. Er
versuchte sich zu erinnern. Er war nach Hause gekommen mit hohem Fieber, hatte
sich ins Bett legen müssen. Seine Frau hatte noch am späten Abend den Arzt
gerufen. Es mußte ziemlich ernst mit ihm gestanden haben. Der Arzt war oft
gekommen. Meist hatte er es nur ganz verschwommen wahrgenommen. Hätte er sterben
können? "Weg vom Fenster", wie sein Sohn manchmal sagte. Komische Sache, sich
vorzustellen, daß man die Blätter da nicht mehr sehen sollte. Du
hättest sterben können. Er drehte sich auf den Rücken, starrte die Decke an, als
könne er sich dadurch besser konzentrieren. Er hob seine Hände vor die Augen.
Die Haut war weiß und schlaff. Kranke Hände. Aber er würde sie wieder brauchen
können. Die Finger ließen sich beugen und strecken. Mit Wohlbehagen nahm er es
wahr. Die Nächte vor allem waren schlimm gewesen. Abends war das
Fieber steil gestiegen, schlimme Atemnot war dazugekommen, Angst hatte ihn
gepackt, ihm das Herz zusammengepreßt. Zwei-, dreimal hatte seine Frau nachts
das Bettzeug wechseln müssen, so sehr hatte er geschwitzt. Wann hatte sie denn
geschlafen?--Es fiel ihm nicht ein. Immer, so hatte er das Gefühl, war sie
dagewesen. Hatte ihm ab und zu die Lippen angefeuchtet, die Kissen gerichtet,
ihn zur Toilette geführt, das Licht abgedunkelt, wenn es ihm zu grell war, ihm
die Tasse an den Mund gehoben. Ganz still war sie durchs Zimmer gegangen. Hatte
neben ihm gestanden. Seine Hand gehalten. Irgend etwas kam in ihm
auf. Er konnte es noch nicht genau umschreiben. Sie hatte seine Hand gehalten.
Jedesmal, wenn er wach wurde, hatte er das gemerkt. Es hatte ihm gutgetan. Und
sie hatte alles ganz still getan. Mit leisen guten Worten. Behutsam. Und immer
war sie dagewesen. Die Tür zur Küche öffnete sich. Sie kam mit
einer Tasse herein. "Schau, wie verschieden das Grün ist an den Bäumen da
draußen", sagte er. "Ja? Das hast du früher nie gesehen", antwortete sie. "Ich
habe vorher manches nicht gesehen." Er nahm ihre Hand und schaute in ein
übermüdetes Gesicht mit liebevollen Augen. Anton
Jansen
Ein
liebes Wort
Warum
weinst du? Warum schweigst du? Meine junge Frau, was brauchst du? --
Was braucht meine junge Frau?
Hast
du Brot und Salz nicht reichlich? Oder hat dich wer beleidigt? -- Was
braucht meine junge Frau?
Brot
und Salz hab' ich in Fülle. Nur ein liebes Wort in aller Stille --das
braucht deine junge Frau. Aus
dem Russischen--Wolf Biermann
Sage
ihr, daß sie schön ist; daß der Wind weht, nur um ihr Haar zu bewegen.
Sage ihr, daß Mohnblumen aufgehn in ihrem Lacheln;
ein Dach sich breitet, worüber sie die Hand
hält.
Sage
ihr, daß du sie brauchst; daß du sterben mußt ohne ihr Leben; daß du ihre
Worte trinkst gegen den Durst deiner Einsamkeit.
Sage
es ihr, damit sie leben kann zwischen Fließband und Herd, ihr bitteres Lachen
erträgt; damit sie nicht stumm wird, ihr Leben
wegwirft und dich für immer allein läßt mit all detner
Selbstherrlichkeit. Lothar
Lindenthal
Die
beiden Brüder
Zwei
Brüder wohnten einst auf dem Berg Morija. Der jüngere war verheiratet und hatte
Kinder, der ältere war unverheiratet und allein. Die beiden Brüder arbeiteten
zusammen, sie pflügten das Feld zusammen und streuten zusammen den Samen aus.
Zur Zeit der Ernte brachten sie das Getreide ein und teilten die Garben in zwei
gleich große Stöße, für jeden einen Stoß Garben. Als es Nacht geworden war,
legte sich jeder der beiden Brüder bei seinen Garben nieder, um zu schlafen. Der
ältere aber konnte keine Ruhe finden und sprach in seinem Herzen: "Mein Bruder
hat eine Familie, ich dagegen bin allein und ohne Kinder, und doch habe ich
gleich viele Garben genommen wie er. Das ist nicht recht." Er stand auf, nahm
von seinen Garben und schichtete sie heimlich und leise zu den Garben seines
Bruders. Dann legte er sich wieder hin und schlief ein. In der
gleichen Nacht nun, geraume Zeit später, erwachte der Jüngere. Auch er mußte an
seinen Bruder denken und sprach in seinem Herzen: "Mein Bruder ist allein und
hat keine Kinder. Wer wird in seinen alten Tagen für ihn sorgen?« Und er stand
auf, nahm von seinen Garben und trug sie heimlich und leise hinüber zum Stoß des
Alteren. Als es Tag wurde, erhoben sich die beiden Brüder, und wie war jeder
erstaunt, daß ihre Garbenstöße die gleichen waren wie am Abend zuvor. Aber
keiner sagte dem anderen ein Wort. In der zweiten Nacht wartete
jeder ein Weilchen, bis er den anderen schlafend wähnte. Dann erhoben sie sich,
und jeder nahm von seinen Garben, um sie zum Stoß des anderen zu tragen. Auf
halbem Weg trafen sie plötzlich aufeinander, und jeder erkannte, wie gut es der
andere mit ihm meinte. Da ließen sie ihre Garben fallen und umarmten einander in
herzlicher brüderlicher Liebe. Gott im Himmel aber schaute auf sie hernieder und
sprach: "Heilig, heilig sei mir dieser Ort. Hier will ich unter den Menschen
wohnen."
Wer
kennt wen?
Herr
Keuner befragte zwei Frauen über ihren Mann. Die eine gab folgende Auskunft:
"Ich habe zwanzig Jahre mit ihm gelebt. Wir schliefen in einem Zimmer und auf
einem Bett. Wir aßen die Mahlzeiten zusammen. Er erzählte mir alle seine
Geschäfte. Ich lernte seine Eltern kennen und verkehrte mit allen seinen
Freunden. Ich wußte alle seine Krankheiten, die er selber wußte, und einige
mehr. Von allen, die ihn kennen, kenne ich ihn am besten."
"Kennst du ihn also? fragte Herr Keuner. "Ich kenne ihn." Herr
Keuner fragte noch eine andere Frau nach ihrem Mann. Die gab folgende Auskunft:
"Er kam oft längere Zeit nicht, und ich wußte nie, ob er wiederkommen würde.
Seit einem Jahr ist er nicht mehr gekommen. Ich weiß nicht, ob er wiederkommen
wird. Ich weiß nicht, ob er aus den guten Häusern kommt oder aus den
Hafengassen. Es ist ein gutes Haus, in dem ich wohne. Ob er zu mir auch in ein
schlechtes käme, wer weiß? Er erzählt nichts, er spricht mit mir nur von meinen
Angelegenheiten. Diese kennt er genau. Ich weiß, was er sagt, weiß ich es? Wenn
er kommt, hat er manchmal Hunger, manchmal aber ist er satt. Aber er ißt nicht
immer, wenn er Hunger hat, undwenn er satt ist, lehnt er eine Mahlzeit nicht ab.
Einmal kam er mit einer Wunde. Ich verband sie ihm. Einmal wurde er
hereingetragen. Einmal jagte er alle Leute aus meinem Haus. Wenn ich ihn
,dunkler Herr' nenne, lacht er und sagt: ,Was weg ist, ist dunkel, was aber da
ist, ist hell!' Manchmal aber wird er finster über diese Anrede. Ich weiß nicht,
ob ich ihn liebe. Ich ..." "Sprich nicht weiter", sagte Herr Keuner hastig. "Ich
sehe, du kennst ihn. Mehr kennt kein Mensch einen anderen als du
ihn." Bertolt
Brecht
Es
ist bemerkenswert, daß wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am mindesten
aussagen können, wie er sei ... Das ist das Erregende, Abenteuerliche, daß
eigentlich Spannende, daß wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertig
werden: weil wir sie lieben; solang wir sie lieben ... Unsere Meinung, daß wir
den anderen kennen, istdasEndederLiebe. MaxFrisch
Backrezept
für eheliches Glück
Man
nehme Liebe und einen verträglichen Charakter und schütte als
erstes zwei bis drei Pfund Hoffnung hinein. Weiter füge man hinzu:
eine Menge Vertrauen beliebig viel Frohsinn ein Maß
voll Nachsicht, ein Pfund kleiner
Aufmerksamkeiten ein Kännchen voller
Selbstlosigkeit und vermenge alles miteinander. Um
einen faden Geschmack zu vermeiden, gebe man eine Prise
Widerspruchsgeist und Verrücktheit hinzu. Dann bitte unter ständigem Rühren
stets bereite Freundlichkeit hineinträufeln. Das Ganze ist mit
gleichmäßiger Wärme auf kleiner Flamme zu backen. Viel Geduld
gehört dazu! Von diesem köstlichen Kuchen braucht man morgens nur
ein kleines Stück zu nehmen, um den Gefahren zum Trotz
in der Ehe glücklich zu bleiben.
Ehen-Wehen
Ein
Mann hatte Probleme, weil seine Ehe im argen lag. Er hatte Kinder, Haus, Auto,
Beruf, Garten, alles Materielle; nur die Liebe zwischen ihm und seiner Frau war
erloschen. Er suchte Rat bei seinen Freunden. Sie konnten ihn verstehen, einige
rieten ihm zur Scheidung, und sie schilderten realistisch
die Unzufriedenheit mit ihren Ehen. Es verband, aber half nicht.
Er
suchte Rat bei einem Psychotherapeuten. Dieser befaßte sich mit seinen Gefühlen
und fand Gründe, wieso wohl alles so gekommen ist. Der Mann arbeitete an sich
und sah hier und da kurze Lichtblicke. Er suchte Rat bei seiner Schwester;
sie wußte doch immer Rat. Hatte doch auch schon eine gescheiterte Ehe hinter
sich. "Ehen sind ein absoluter Irrweg", sagte sie ihm, "zwei Menschen können
nicht ihr Leben lang füreinander dasein, ohne Gefühle zu verdrängen und sich zu
quälen wegen des Treueschwures; wir Menschen müssen Wege finden, die zwangloser
sind, und müssen lernen, mit den Sympathien zu anderen Menschen umzugehen; ohne
Schuldgefühle, die uns ständig von der Kirche eingeredet werden." Sie schlug ihm
räumliche Trennung vor. Er suchte Rat bei einem Priester. Dieser sagte ihm
Gott sei Dank nichts von Wirdja-schon-Werden, du hast ja alles, nur eben keine
Liebe; der Priester riet auch zur räumlichen Trennung, aber der Treuespruch muß
gewährleistet sein. Beim Ausleben aller Gefühle würden zu viele Leute auf der
Strecke bleiben, meinte der Priester. Die letzte Hoffnung, das Beten, hatte
dem Mann auch nichts gebracht. Dann fragte der Mann sich noch einmal um Rat. Er
kramte in der Vergangenheit all derer, die er kannte: Es gab keine glücklichen
Ehen ... Und warum sollte gerade er dazu fähig sein, Ehe leben zu können? Der
Mann forschte weiter und bemerkte, daß es mit diesen "intakten" Ehen immer schon
so war; so gab man es weiter; so zerbrachen Hoffnung und Traum, bis es nicht
mehr ging, die Scheidung kam, oder man es einfach so hinnahm, wie es war; ja,
das Gesetz der Trägheit spielte auch eine Rolle.
Beratergebet
bei zerrütteter Ehe:
Gütiger
Gott, als diese Ehe begann, wehte ein sonniger Wind über den Kirchplatz.
Und was nur der Tod scheiden sollte, schieden die Jahre, langsam,
langsam, unaufhaltsam. Und nun soll ich helfen ... Gütiger Gott, hilf
mir, das Trennende zu verstehen, die Summe der Kleinigkeiten, das Bohrende
der Schwächen, die Illusionen der Erwartungen, Altern und Zerbrechlichkeit
von Liebe und Glück. Gütiger Gott, lehre mich, von Verzeihen, Verzichten
und Treue zu sprechen, ohne unbarmherzig zu sein. Schenk mir die Gnade des
richtigen Wortes zur richtigen Zeit und die Gnade des zuhörenden Schweigens
zu seiner Zeit. Hilf mir, mitzutragen, wenn ich vom Ertragen
spreche. Stehe den Kindern bei, damit sie den Glauben nicht
verlieren: an deine Vatertreue und Muttergüte. Lass mich an
Wunder glauben, aber nicht an ihre Machbarkeit. Amen. Wilfried Knievel
Die
Geschichte von der fetten Katze
Eine
Frau hatte eine Katze. Erst war das ein niedliches Kätzchen, ein Spielkätzchen
mit einem schwarzen Flecken auf der Nase. Die Frau war ganz verliebt in das
Tier. Sie ließ es nachts in ihrem Bett schlafen, sie bürstete ihm jeden Morgen
das Fell mit Haarwasser und band ihm rosa Schleifen um den Hals. Sie fütterte
das Kätzchen mit Hackfleisch und Leber, mit Eiern, Schlagsahne und gekochtem
Fisch. Aus dem Kätzchen wurde eine große Katze, die fauchte und kratzte,
wenn sie nicht bekam, was sie wollte. Aber das fand die Frau nur drollig, und
immer noch durfte die Katze in ihrem Bett schlafen. Die Katze wurde immer
größer und dicker und ließ sich von der Frau bedienen. Bald soff sie zum
Frühstück zwei Liter Milch mit Vitamintropfen, und mittags fraß sie fünf
Koteletts, paniert und gebraten. Die Frau durfte nur die Knochen abnagen. Sie
wurde immer magerer und blasser, und die Katze wurde immer fetter und wuchs und
wuchs, bis sie so groß wie ein Kalb war. Nun schlief das Katzenvieh allein im
Bett, und die Frau musste sich auf dem Teppich zusammenrollen. Ursula
Wölfel
Jahreszeiten
Ich
mag die beiden gern am Dahlienbeet in ihrem Garten im herbstlichen
Nachmittagslicht die Blumen hegen seh'n. Wie sie bedachtig arbeitend die
Dämmerung erwarten, die Schürze überm Arm, wenn's kühl wird, in die Stube
geh'n.
Bald
dringt ein Lichtschein durch die Zweige, die im Herbstwind schwanken, so
friedlich, wie Erntefeuer, in die Nacht hinaus. Ich ahn' sie
beieinandersitzen, seh' sie in Gedanken, die beiden alten Leute in dem
stillen Haus.
Die
Jahreszeiten eines Lebens haben die zwei vorübergeh'n seh'n.
Die Zeit zu säen, die Zeit zu ernten, ohne die
Zeit, sich auch nur einmal umzudreh'n.
Die
Zeit hat ihre Schritte nun langsamer werden lassen, und ihre Gesten zögernd
beinah' unsicher und schwach, wenn sie einander stützen und sich
helfend unterfassen, ihr Gang mag müd ' geworden sein,
ihr
Blick ist doch hellwach, und immer voller Zartlichkeit füreinander
geblieben, und mehr denn je ein Weg, einander wortlos
zu versteh'n. Ich glaub, die Zeit läßt Menschen, die
einander so lang' lieben, so ähnlich fühlen, daß sie
sich einander ähnlich seh'n.
Die
Jahreszeiten eines Lebens haben die beiden zusammen erlebt.
So haben sich längst die Schicksalsfäden der beiden
zu einem einzigen Band verwebt.
Es
sind die Sorgen und die Freuden vergangener Jahre, Geschichten,
die man in ihren Gesichtern lesen kann. Manch' Kummer und manch' A
rger sorgten für die weißen Haare, und ganz gewiß
hatten wir Kinder uns'ren Teil daran. Die Kinder sind nun auch
schon lange aus dem Haus gegangen, haben mit ihren
Kindern alle Hände voll zu tun. Die beiden steh'n allein, so hat
es einmal angefangen, hier hat ihr Leben sich erfüllt, hier
schließt der Kreis sich nun.
Die
Jahreszeiten eines Lebens sah'n manchen Wunsch in Erfüllung
geh'n. Nun bleibt der sehnlichste noch von allen,
die Zeit des Rauhreifs miteinander noch zu
seh'n. Reinhard Mey
Möchten Sie diesen Preis bezahlen?
"Womit
kann ich Ihnen dienen, mein Herr?" fragt der Verkäufer. Der Kunde: "Ein Geschenk
für meine Frau. Diesmal will ich wirklich was ausgeben. Ich hätte gern zwei
Schächtelchen Beleidigungen: eine Schachtel für ihre Figur, eine für ihren
Haushalt. Und eine schöne Kette von Vorwürfen mit so ein paar richtigen Klunkern
dazwischen. Ach ja, und tun Sie auch noch ein Dutzend, nein, zwei Dutzend
Sticheleien dazu." Der Verkäufer: "Darf's sonst noch etwas sein, mein Herr?"
"Nein, danke, ich will nicht des Guten zu viel tun. Was macht das alles
zusammen?" Der Verkäufer: "Ja, mein Herr, das kostet unter Umständen Ihre
Ehe.“ nach
Johannes Kuhn
Das Frühstück
Er
goß den Kaffee in die Tasse, er goß Milch zum Kaffee,
er gab Zucker in den Milchkaffee, er nahm den
Kaffeelöffel und ruhrte um. Dann trank er seinen Kaffee
und
stellte die Tasse hin-- ohne mit mir zu reden.
Er
zündete sich eine Zigarette an,
er
blies Ringe in den Rauch, er klopfte die Asche in den
Aschenbecher-- ohne mit mir zu reden, ohne mich
anzusehen.
Er
stand auf, er setzte den Hut auf, er zog den
Regenmantel an, denn es regnete. Dann ging er fort
in den Regen, ohne ein Wort, ohne einen Blick. Und
ich, ich habe mein Gesicht in die Hand gelegt und habe
geweint. Jacques
Prevert
Wie die
Sonne Liebe ist wie die Sonne. Seligkeit und Wonne. Sie bringt Licht
und Farbe. Alles blüht und gedeiht. Liebe kann man nicht kaufen. Sie ist
nicht im Handel. Wenn man dafür bezahlen muss, ist es keine Liebe
mehr. Liebe ist wie die Sonne. Wenn die Sonne untergeht, werden die
Schatten größer. Wenn du meinst, alles zu haben, um glücklich zu
sein, wenn du aber keine Liebe hast, dann hast du nichts, wofür es sich
lohnt zu leben. In wahrer Liebe liegt ein Hauch vom Paradies. Phil
Bosmans
Eine
schwere Aufgabe Liebe ist kein Luxusartikel, den man kaufen kann.
Liebe ist nicht nur etwas für sanftmütige Leute. Liebe ist eine Aufgabe
für alle Menschen, dass sie miteinander in Frieden und Freundschaft leben.
Liebe ist eine schwere Aufgabe. In Zeiten der Verliebtheit geht alles von
selbst. Alle Gefühle spielen mit, und es gibt keine Probleme, nur die
Zeit ist zu kurz, oder sie dauert zu lang. Aber kein Mensch ist jeden Tag
lieb und liebenswert. Den anderen lieb haben, nur weil er so lieb ist, endet
leicht in einem Fiasko. Liebe ist eine schwere Aufgabe. Liebe heißt
bedingungslos vertrauen, Anteil nehmen und geben an den Freuden und auch an
Leiden und Sorgen des Partners, selbst wenn das tägliche Zusammensein wie
Gift wirken kann für die Achtung voreinander und die Zuneigung
zueinander. Liebe ist eine Frage der Verantwortlichkeit. Phil
Bosmans
Verheiratet Trauung hängt zusammen
mit Vertrauen, mit tiefem Vertrauen zueinander, und mit Treue: Damit baut
man auf Felsen. Ohne Vertrauen kann man nicht heiraten. Wo man nicht
einander sicher sein kann, gibt es überhaupt keine Sicherheit. Und wo keine
Sicherheit ist, da auch keine Geborgenheit und kein Zuhause. Wenn man
heiratet und sich traut, will man einander Geborgenheit geben. Wenn man
heiratet und sich traut, will man ein Leben lang denselben Weg gehen,
durch gute und durch schlechte Tage. Deshalb nahmt ihr eines Tages einen
Ring. Ihr habt ihn eurem liebsten Menschen auf den Finger gesteckt und
dazu gesagt: „Nimm diesen Ring als Zeichen meiner Liebe und Treue." Lasst
eure Liebe so stark sein, um das einander täglich neu zu sagen. Phil
Bosmans
Leer und
kalt In jedem Zusammenleben kommt es früher oder später zur Krise. Der
Weg ist lang, Langeweile fängt an. Ihr kennt euch gegenseitig genau, und
alle Tage wiederholt sich dasselbe. Ihr wollt auch mal was anderes. Ihr
seid im Mittag des Lebens, nicht mehr jung und noch nicht alt. Man wird
lustlos und gleichgültig. Alles scheint leer, gefühllos und kalt. Ihr
geratet in die Wüste,in eine eintönige, entsetzlich öde Wüste. Der Mann geht
zu alten Freunden, die Frau verkriecht sich bei den Kindern. Die
wunderschönen Gefühle von einst sind verschlissen, ihr Glanz ist weg. Wenn
ihr dann ein wenig warten könnt und nicht denkt: Alles ist aus, oder: Das
war damals die falsche Entscheidung: Wenn ihr dann ein wenig Geduld habt,
statt nach anderen Partnern auszuschauen oder zu Tabletten und Alkohol zu
flüchten: Wenn ihr dann wartet und treu bleibt und euer Herz offen und einladend
ist, wenn ihr dann erfinderisch seid und den Partner wieder aufleben lasst:
Dann wird eines Tages, ganz unvermutet, irgendwo eine Quelle
entspringen, und in eurem Leben beginnt eine neue Zeit, nach der
Wüstenzeit eine Oasenzeit. Phil Bosmans
Das
ja-Wort und die Hände Schaut heute noch einmal auf eure Hände. Vor
vielen Jahren habt ihr vor dem Altar, vor Gott die Hände ineinander
gelegt. Diese Hände sind um Jahre älter geworden. Sie haben
gearbeitet, sie haben gebetet. Sie haben
eure Kinder getragen. Sie haben Liebe und Leben gegeben. Sie haben den
Reichtum eures Herzens zu den Menschen getragen. Viele Jahre sind
vorübergegangen. Es gab viele Freuden und auch Leiden, aber in allem ist
eure Treue geblieben, die stille, tiefe Treue zueinander und eine
unaussprechliche Liebe. Ihr braucht jetzt nicht mehr viele Worte zueinander
zu sagen. Euer Zusammensein ist so selbstverständlich geworden. Ihr könnt
euch das Leben nicht mehr ohne einander vorstellen. Euer Ja-Wort ist ein
Ja-Wort geblieben. Phil Bosmans
Fluss der
Jahre Was wusstet ihr vom Fluss der Jahre, als ihr erwartungsvoll euer
Boot den jungen Wassern vertrautet? Wie pflügte es schäumend die Furche unter
den Himmeln der Freude! Erinnert ihr euch an die Angst, als die Strömung zum
ersten Mal das Boot an sich riss und ihr Steuer und Ruder mit allen Kräften
bedienen musstet? Und später - mitten im Fluss -die Insel Geheimnis der Erde,
des Himmels. Der Strom sang mit euch Wiegenlieder, das Boot gewann
Tiefgang. Ihr zähltet die Kilometermarken nicht mehr, denn der Strom
verlangte euch Gewohntes und Ungewohntes ab. Er ängstigte euch mit Strudeln,
Hochwasser, Eisgang, getrübtem und eingeengtem Leben. Mit blühenden Ufern
beschenkte er euch, mit Spielen der Fische, Vögel, Libellen, mit
Wellengesängen, Inselträumen, Begegnung und Gruß befreundeter Boote. Ihr
legtet am Ufer an, eure Kinder das Eigene suchen zu lassen. Heute ankert
ihr, blickt sinnend stromauf, feiert Dank und Gemeinschaft. Morgen trägt euch
wieder der Strom. Was wisst ihr vom Fluss der kommenden Jahre? Wohl euch,
wenn ihr glaubt, dass Gott den Wassern gebieten kann, sie münden lässt in
seine Unendlichkeit Liebe Christa Peikert-Flaspöhler
Hochzeitsbilder Weißt du noch, wie
wir damals vor den Traualtar traten? Wenn ich heute das Album durchblättere,
muss ich schmunzeln über die Mode damals, unsere Frisuren. Und ich sehe
das Leuchten in deinen Augen. Wir waren da, wo wir hinwollten: Wir
feierten unsere Hochzeit. Ich erinnere mich noch genau, dass ich zitterte,
als ich dir den Ring an den Finger steckte. Damals nahm ich dich vor
allen an und versprach dir die Treue in guten und bösen Tagen, in
Gesundheit und in Krankheit. Ich versprach laut, dich zu lieben, zu
achten und zu ehren, solange ich lebe. Ein Vierteljahrhundert ist lang.
Die Jahre haben manches verändert, auch uns. Wenn ich jetzt in unserem
Hochzeitsalbum blättere und den Gefühlen von damals nachspüre, dann wird
mir eines wieder ganz neu bewusst. Ich spreche es zu selten aus. Du weißt
es: Ich liebe dich noch immer. Alexander Holzbach
Liebe....
Wo du geliebt wirst, musst du nicht immer nur
lachen, darfst du es wagen, auch traurig zu sein. Wo du geliebt wirst, darfst
du auch Fehler machen, und bist trotzdem nicht hässlich und klein.
Wo
du geliebt wirst, darfst du auch Schwächen zeigen oder fehlenden Mut, du
brauchst die Ängste nicht zu verschweigen, was der Fruchtsame tut.
Wo du
geliebt wirst, darfst du auch Sehnsüchte haben, manchmal eine Träumende
sein, für fehlende Gaben räumt man dir mildernde Umstände ein.
Wo du
geliebt wirst, brauchst du nicht ständig zu fragen nach dem vermeintlichen
Preis. Du wirst von der Liebe getragen, wenn auch unmerklich und
leis'.
Wo du geliebt wirst, zählst du nicht nur als Artist, darfst du
sein, wie du bist. Dass du spürest diese tragende, von Gott an uns
praktizierende Liebe.
Verfasser: unbekannt
Das wünsche ich
Dir
Mögen sich die Wege vor deinen Füssen ebnen, mögest du
den Wind im Rücken haben, möge die Sonne warm dein Gesicht
bescheinen, möge Gott seine schützende Hand über dir halten.
Mögest du
in deinem Herzen dankbar bewahren die kostbare Erinnerung der guten Dinge in
deinem Leben.
Das wünsche ich dir, dass jede Gottesgabe in dir
wachse und sie dir helfe, die Herzen jener froh zu machen, die du
liebst. Möge freundlicher Sinn glänzen in deinen Augen, anmutig und edel wie
die Sonne, die, aus den Nebeln steigend, die ruhige See wärmst.
Gottes
Macht halte dich aufrecht, Gottes Auge schaue für dich, Gottes Ohr höre dich,
Gottes Wort spreche für dich.
Gottes Hand schütze dich.
Altirische
Segenswünsche
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